Datenschutz-Urknall: Welche Inhalte sind nach dem LG Düsseldorf-Urteil noch legal?

Facebook Button Düsseldorf

Datenschützer haben vor zwei Wochen einen vermeintlichen Präzedenzfall gegen die Einbettung von Social Media Inhalten auf Websites erwirkt. Die Peek & Cloppenburg Tochter Fashion ID hatte einen Facebook Like-Button auf ihrer Website integriert – ein Vorgehen, das Standard im zeitgemäßen Online-Marketing ist.

Wo liegt das rechtliche Problem?

Über den Like-Button werden Daten an Facebook übertragen, ohne dass der Verbraucher dem zustimmen muss. Problematisch ist laut dem Landgericht Düsseldorf einerseits, dass nicht klar ist welche Daten das sind. Andererseits wird bemängelt, dass es keine Möglichkeit gibt der Datenübermittlung zu widersprechen – auch nicht für Nicht-User.

Auch 2-Click Lösungen sind nicht 100% rechtssicher

Die große Frage ist: Was nun? Sollte man all seine Social Plugins und eingebetteten Videos entfernen? Fashion ID hat seinen Like-Button inzwischen durch die unten abgebildete Lösung ersetzt. Viele Blogger gehen dazu über, 2-Click Sharing Buttons zu verwenden, was auch nicht 100%ig rechtssicher ist. Außerdem wird vereinzelt dazu geraten alle kritischen Inhalte wie z.B. eingebettete YouTube-Videos zu entfernen – bei großen Websites mit tausenden Inhalten eine aufwändige Sisyphos-Arbeit.

Peek & Cloppenburg Facebook Like-Button

Man kann abwarten und Tee trinken – Zumindest noch bis Mitte April

Die Antwort für Online-Marketer mit dickem Fell ist: Entspannt bleiben und abwarten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Fashion ID kann noch bis ca. Mitte April Revision einlegen. Wer allerdings jetzt schon jedes Risiko vermeiden möchte, sollte seine Website von betroffenen Inhalten bereinigen. Kleinere Websites geraten vielleicht nicht so schnell in das Visier spitzfindiger Abmahner. Große Unterehmen und reichweitenstarke Blogger sind wahrscheinlich jetzt schon einem höheren Abmahnrisiko ausgesetzt.

Gründlicher Podcast: Felix Beilharz und Niklas Plutte nehmen das Urteil unter die Lupe

Der Online Marketing Experte Felix Beilharz hat zusammen mit Rechtsanwalt Niklas Plutte eine interessante 23-minütige Podcast-Folge zu dem Urteil gemacht. Es folgt eine ergänzte Zusammenfassung mit den wichtigsten Punkten. Den kompletten Podcast gibt es (eingebettet) ganz unten.

Welche Inhalte sind vom Urteil betroffen?

  • Sharing-Buttons, die an die API sozialer Netzwerke angebunden sind
  • Retargeting
  • YouTube-Einbettungen mit aktivierten Cookies
  • Facebook-Pixel
  • Eingebettete Social Media Profile & Posts

Welche Inhalte sind nicht von dem Urteil betroffen:

  • Google Analytics
  • YouTube Einbettungen mit deaktivierten Cookies
  • Sharing Plugins, die ein neues Fenster öffnen, wie z.B. Shariff oder Mashsharer
  • Bilder, die ein Social Media Profil oder Posts verlinken

Welche Ausweichmöglichkeiten sind nicht 100%ig rechtssicher:

  • 2-Klick Sharing Plugins, egal ob mit oder ohne den Hinweis, dass Daten übertragen werden
    er Knackpunkt ist: Der User kann nicht informiert werden, welche Daten übertragen werden.

Was rät der Anwalt? Muss man sofort handeln, obwohl das Urteil noch nicht final ist?

  • Wenn man ganz sicher gehen und sich sofort rechtskonform verhalten will, ja. Natürlich bleibt abzuwarten, ob das Urteil rechtskräftig wird. Fleißige Abmahner können allerdings jetzt schon aktiv werden.

Tim Ebner
Ich bin Chefkoch von social media #facts & serviere gerne Posts zu Online Marketing & Social Media. Lies hier mehr über mich oder kontaktiere mich.
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